Acht Jahre „Löwenzahn-Entdeckerpfad“

Ihr Urlaubserlebnis im Harz:

Acht Jahre „Löwenzahn-Entdeckerpfad“

Erfolgsgeschichte eines Harzer Naturerlebnispfades

Seit Ostern ist der beliebte Löwenzahn-Entdeckerpfad des Nationalparks Harz bei Drei Annen-Hohne wieder geöffnet und steht allen jungen und nicht mehr ganz so jungen Gästen zur Verfügung. Wie entstand der Pfad und was ist der Grund für seine auch für uns etwas überraschende Beliebtheit?

Im Sommer 2004 rief das ZDF im Nationalpark Harz an und legte uns einen interessanten Projektvorschlag vor. Die beliebte Fernsehsendung „Löwenzahn“ – damals noch mit

Peter Lustig – hatte 25jähriges Jubiläum und wollte das gemeinsam mit seinen großen und kleinen Zuschauern dort feiern, wo es für Peter Lustig immer das meiste zu entdecken gab, nämlich draußen in der Natur. Dazu sollte ein Entdecker-Pfad entstehen und zum Löwenzahn-Jubiläum mit einer großen Feier eingeweiht werden. Schnell war im Wald rund um die alte Eiche in Drei Annen-Hohne ein geeignetes Gelände gefunden. In einer Arbeitsgruppe trugen wir gemeinsam Ideen zusammen, wie man

"Löwenzahn-Entdeckerpfad" ein Erlebnis für junge Entdecker

“Löwenzahn-Entdeckerpfad” ein Erlebnis für junge Entdecker

Kindern diesen Lebensraum möglichst spannend vermitteln kann. Verschiedene Stationen sollten zum Mitmachen, Rätseln und Lernen einladen, wobei auch die Eltern Wissenswertes erfahren können. Es sollte ein Pfad entstehen, der sich von langweiligen Lehrpfaden unterscheidet und Lust auf Natur macht. Da waren frische Ideen und Kreativität gefragt, deren Ergebnisse von unseren nationalparkeigenen Werkstätten umsetzbar waren und die auch unter harztypischen Witterungsbedingungen vielen Kinderhänden und -füßen standhalten.

Da 2004 im Harz noch zwei Nationalparke existierten, sollte es das erste größere Projekt der Umweltbildung beider Schutzgebiete über die Ländergrenze hinweg werden. Hier wurde bereits vor der Fusion zum gemeinsamen Nationalpark Harz eng im Team zusammen gearbeitet und auch zwischen den Werkstätten in Niedersachsen und Sachsen-
Anhalt einzelne Arbeitsschritte perfekt abgestimmt. Unterstützung erhielten wir durch die Niedersächsische Lottostiftung Bingo-Lotto, die über unseren Förderverein GFN den größten Teil der Sachkosten übernahm. 2005 war es dann soweit und der Pfad wurde unter großer Beachtung der Öffentlichkeit eingeweiht.

Was macht aber nun die besondere Anziehungskraft des „Löwenzahn-Entdeckerpfades“ aus? Zweifellos ist natürlich der Name „Löwenzahn“ im Zusammenhang mit der Fernsehsendung eine Werbung, die auch über den Harz hinaus für eine besondere Anziehungskraft sorgt. Veröffentlichungen im „Löwenzahn-Magazin“, Sonderaktionen wie zum Beispiel „Geocaching mit Löwenzahn“ und Veranstaltungen des Nationalparks selbst sorgen dafür, dass der Pfad regelmäßig im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht. Dennoch hat er aber bei den Kindern der Region auch nach mehrfachen Besuchen nicht an Anziehungskraft verloren. Als besonders positiv empfinden Kinder die Aufteilung in mehrere Stationen, die thematisch gegliedert und nicht auf Wissensvermittlung durch lange Texte ausgerichtet sind. So wird auf der ersten Station die Aufgabe gestellt, nach Tierspuren zu suchen. Diese Aufgabe regt zum genauen Betrachten der Umgebung an und zum Wahrnehmen von Erscheinungen, die bisher als unbedeutend übersehen wurden. Dass die eigentlichen Tierspuren künstlich entstanden sind und als Abdruck in Beton in den Pfad eingelassen wurden, spielt für Kinder keine Rolle. Ein Erfolgserlebnis ist es, wenn am Ende der kleinen Wegstrecke möglichst viele der Spuren gefunden wurden und mit den Abbildungen auf der dortigen Tafel überein stimmen.

 

Die nächste Station soll einen kleinen Einblick in das Leben im Wald geben. Die Kinder können lernen, dass Totholz keine Katastrophe ist und dass es viele Tiere gibt, die auf absterbende und tote Bäume im Wald angewiesen sind. Mit Hilfe von Drehsäulen, die wie Puzzle funktionieren, kann man sich diese Informationen selbst zusammenstellen. Aufmerksames Lesen der kleinen Texttafel ermöglicht die richtige Zuordnung der jeweiligen Tiere und erklärt Wissenswertes über deren Lebensgewohnheiten. Auch über Blätter, Früchte und Wurzeln von drei unserer Hauptbaumarten kann man Interessantes erfahren, wenn man die dreieckige Drehsäule richtig zusammenfügt. An dieser Station können bei Führungen auch noch weitere Aktivitäten ergänzt werden – wie die Baumbegegnung, der Spiegelgang u.a.

Bei unserer dritten Station steht die alte Eiche auf der Hohnewiese im Mittelpunkt. Hier kann man gut die Geschichte der Region in die Führung einbeziehen. Wenn dieser Baum aus seinem über 600jährigen Leben berichten könnte, gäbe es sicher viele spannende Geschichten zu erzählen. Sie war Gerichtseiche, Huteeiche und

Löwenzahn-Entdeckerpfad, J. Smidtova

Löwenzahn-Entdeckerpfad, J. Smidtova

Mittelpunkt eines Gemäldes von Caspar David Friedrich. Schwere Verletzungen wurden ihr durch eine Panzersprengung am Ende des 2. Weltkrieges zugefügt und dennoch entfaltet sie jedes Frühjahr wieder ihr beeindruckendes Kronendach, das Wohnraum für viele Vögel, Käfer und Schmetterlinge bietet und zugleich Schattenspender für alle Besucher, die hier die wunderschöne Umgebung genießen wollen. Mit unserer „Träumerbank“ regen wir zum genauen und respektvollen Betrachten dieses alten Baumes an, worauf sich auch Kinder bei entsprechender Anregung sehr gut einlassen können.

Wahrzeichen des Pfades ist unsere „Höreule“, die auf der Wiese nicht zu übersehen ist. Mit über 2 Metern Höhe ist sie nicht nur ein „Hingucker“, sondern man kann auch in sie hinein klettern, um an den eingebauten Hörtrichtern nachzuempfinden, wie gut sich Eulen auf ihre Ohren verlassen und somit auch in der Dunkelheit exzellente Beutegreifer sein können. Dieses Erlebnis ist nicht nur für Kinder beeindruckend – auch für begleitende Eltern und Betreuer ist das eine faszinierende Erfahrung.

Unser Barfußpfad wendet sich ganz an den Tastsinn unserer Füße und begeistert Kinder immer dann am meisten, wenn der Pfad nach längerem Regen etwas aufgeweicht ist und man ohne Vorsicht auch mal durch den Matsch gehen darf. Doch der Barfußpfad ist mit verbundenen Augen auch für Erwachsene ein nachhaltiges Erlebnis.

Die dann folgende Station ist ein Memory, an dem Spiel und Spaß überwiegen dürfen und das Gedächtnis gefordert wird. Erstaunlicherweise sind hier Kinder oft unschlagbar und häufig gegenüber erwachsenen Begleitern im Vorteil.

Abschließende Station ist gegenwärtig der „Weitsprung der Tiere“. Diese Station war vor der Eröffnung über das ZDF als Ideenstation der Kinder ausgeschrieben. Der Vorschlag zu dieser Station wurde unter den vielen Einsendungen ausgewählt und passt thematisch bestens zu diesem Pfad. Hier kann man seine Kräfte beim Weitsprung mit den Tieren des Waldes messen. Kann ich mich vielleicht mit einem Eichhörnchen oder einem Hasen vergleichen? Was im Sportunterricht manchen Kindern keinen Spaß macht, wird hier spannend und gestaltet sich oft zum kleinen Wettbewerb, auch als „Familienvergleichs-Wettkampf“.

Löwenzahnpfad, F. Steingass

Löwenzahnpfad, F. Steingass

 

An dieser Stelle endet unser Pfad, doch sind Ergänzungen bereits in Planung, um unser künftiges Naturerlebniszentrum HohneHof in unmittelbarer Nähe mit einzubeziehen.
In den sieben Jahren seines Bestehens ist die Nachfrage nach Besuchen auf dem Löwenzahnpfad, ob geführt durch Nationalparkmitarbeiter oder allein als Familienausflug, ungebrochen. Auch zum bundesweiten Junior-Ranger-Treffen 2009 war der Pfad eines der wichtigsten Erlebnisse der fast 300 teilnehmenden Kinder.

Da bisher noch keine Evaluation des „Erfolgsrezeptes“ des Löwenzahnpfades möglich war, kann man sich bisher nur auf Aussagen der Kinder bei den von uns betreuten Führungen berufen. So ist sicher das Allerwichtigste, dass es hier um das Mitmachen und Entdecken geht, nicht um vordergründiges Lernen und Abfragen von Wissen. Da auch jeder unserer Kollegen, die hier mit Kindergruppen unterwegs sind, seine eigenen Erfahrungen hat, wie er Kinder für Natur begeistert, erleben Kinder im Grundschulalter gern mehrfach eine Führung auf dem Löwenzahnpfad. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken, denn einiges Wissen ist auch schon wieder in Vergessenheit geraten und andere Stationen haben einfach so viel Spaß gemacht, dass man gern noch einmal hier her kommt.

Unsere Betreuer können die Begleitung der Kindergruppen immer wieder genießen, ihre Begeisterung erleben und selbst Motivation und Kraft für die tägliche Arbeit gewinnen. Die Sprüche aus Kindermund geben immer wieder Anlass zum Lachen und lassen manche Erwachsenenprobleme für kurze Zeit etwas in den Hintergrund treten.

Ein allgemeingültiges Erfolgsrezept kann auch der Löwenzahnpfad nicht vermitteln. Es ist jedoch nicht notwendig, für viel Geld aufwändige Installationen zu errichten, um Kinder für Natur zu begeistern. Der Löwenzahnpfad ist auf der Grundlage unserer eigenen Ideen und Leistungen errichtet worden. Wichtig ist auch die Motivation der Mitarbeiter, die Kindergruppen begleiten und ihre eigene Begeisterung auf die Kinder übertragen können. Stichprobenzählungen lassen auf Besucherzahlen von mindestens etwa 10.000 Personen im Jahr schließen, wobei der Pfad nur von April bis November vollständig zu erleben ist, denn im Winter werden die empfindlichen Holzkonstruktionen eingelagert.

(geschrieben von: Irmtraud Theel, Nationalpark Harz)

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