Auf den Spuren vom kleinen Gespenst und Hollywood….

Ihr Urlaubserlebnis im Harz:

Auf den Spuren vom kleinen Gespenst und Hollywood….

Alles begann mit einem Artikel in der Wernigeröder Volksstimme im Herbst 2011, für die Dreharbeiten für eine ARD-Krimiserie im Harz wurden Komparsen und Kleindarsteller gesucht. Das Casting sollte an einem Sonntag in Wernigerode stattfinden. Neugierig machte ich mich an dem besagten Tag auf den Weg. Es zunächst hieß es für mich Fragebögen ausfüllen und Fotos machen lassen. Wer wollte konnte auch vorsprechen, aber da hatte ich weder das Interesse noch die Zeit. Mir wurde gesagt, dass man sich auch selbst über das Internetportal der Casting-Agentur hätte anmelden können, so hätte ich mir das Ganze eigentlich sparen können. Nach wenigen Minuten hatte ich mein allererstes Casting absolviert, Tatsächlich bekam ich einige Wochen später eine Drehanfrage, konnte diese aber leider aus beruflichen Gründen nicht wahrnehmen, so dass mein Film- und Fernsehkarriere erst einmal auf Eis lag. Die besagte Krimiserie war abgedreht, so dass von dieser Seite nicht mit weiteren Anfragen gerechnet werden konnte.

Das kleine Gespenst, B. Dörge

Das kleine Gespenst, B. Dörge

Monate später vermeldeten die Medien, dass die Casting-Agentur „Filmgesichter“ Komparsen für die Kinoverfilmung des Kinderbuchklassikers „Das kleine Gespenst“ sucht. Aus meiner oben geschilderten Erfahrungen, sparte ich mir den Weg zum Casting und erstellte mein Profil auf der Internetseite www. filmgesichter.de. Tatsächlich bekam ich einige Tage später eine Anfrage zu mehreren Drehtagen in Quedlinburg. Ich bestätigte insgesamt zwei Tage, nahm Urlaub und hörte erst mal wieder nichts von der Agentur. Sonntagnachmittag –Montag sollte der erste Drehtag sein – bekam ich dann die Infomail mit Treffpunkt und Uhrzeit, sowie einer „Kleiderordnung“, welche normale Freizeitkleidung vorsah. Also Spontanität und Flexibilität scheinen Grundvoraussetzung für eine Komparsentätigkeit zu sein.

So machte ich mich am frühen Montagmorgen auf den Weg nach Quedlinburg. Unser „Basislager“ befand sich gut versteckt abseits des Marktplatzes in einem sehr einsturzgefährdet aussehenden, ehemaligen Veranstaltungsaal. Auch hier wurden zunächst Fragebögen ausgefüllt, die Kleidung gecheckt und dann hieß es warten. Da noch ca. 40 weitere „Kollegen“ da waren, wurden nette Gespräche geführt, mit „alten Hasen“ wurden erste Dreherfahrungen ausgetauscht und irgendwann machte wir uns auf den Weg zum Rathaus, wo gedreht werden sollte. Hier sah es noch gar nicht nach Filmdreh aus. Wir bekamen verschieden Utensilien, wie Kinderwagen, Fahrräder Aktentaschen etc. Dann fanden einige Proben statt, die Kamera filmte vom Dach des Rathauses den Marktplatz, wo wir als normale Passanten unterwegs waren. So ging es den ganzen Vormittag, mittags wurde dann schwere Technik aufgefahren, und wir drehten am Boden. In unterschiedlichen Einstellungen haben wir verschieden Szenen gedreht, wobei wir immer wieder im Hintergrund durchs Bild laufen sollten. Das war schon eine interessante Erfahrung, nach und nach stießen auch die „richtigen“ Schauspieler wie Uwe Ochsenknecht und Herbert Knaup hinzu. Diese bewegten sich recht frei und ungezwungen, allerdings waren auch keine Autogrammjäger unterwegs, nur aus der Ferne wurde das ein oder andere Foto heimlich geschossen. Es war schon sehr interessant zu sehen, wie aufwendig diese Dreharbeiten sind, aber wie professionell und eingespielt alle Beteiligten diese erledigt haben. So verging der erste Drehtag, am zweiten lief es ähnlich ab. Eine Szene, mit allen Hauptdarstellern auf der Rathaustreppe, haben wir über fünf Stunden gedreht, zwischendurch wurden immer nur die Kamerapositionen geändert. Besonders schwer hatte es ein recht korpulenter „Feuerwehrmann“, der die fünf Stunden in einem Fenster feststeckte und immer kräftig mit den Beinen wackeln musste. Am Ende des Tages war ich um eine interessante Erfahrung reicher, und beschloss mich bei der nächsten Gelegenheit wieder als Komparse zu beteiligen.

Dann kamen erste Gerüchte auf, dass Hollywood-Star George Clooney auf Location-Suche im Harz ist. In den folgenden Wochen verdichteten sich die Hinweise, dass tatsächlich im Harz Szenen für den Film „The Monuments Men“ gedreht werden sollen. Die Story spielt im zweiten Weltkrieg und handelt von einer Spezialeinheit, die Kunstschätze vor den Nazis retten soll.

Das kleine Gespenst, B. Dörge

Das kleine Gespenst, B. Dörge

Nachdem die ersten Drehorte bestätigt wurden, erfolgte der Aufruf zum Casting. Mehr als 2.000 Komparsen wurden gesucht. Da ich bereits bei der Agentur filmgesichter registriert war, konnte ich mir die Fahrt nach Goslar, wo das Casting stattfinden sollte, sparen. Der Presse konnte man entnehmen, dass dies die richtige Entscheidung war, da mehr als 4.000 Menschen, stundenlang anstanden, um letztendlich auch nur den Fragebogen auszufüllen und einige Fotos machen zu lassen, welche dann in die Datenbank eingepflegt wurden. Da ich dort aber bereits eingetragen war, habe ich nur meine Daten aktualisiert, neue Fotos hoch geladen und gewartet.
Und dann, einige Wochen später kam DIE E-Mail, mit Terminvorschlägen, für die Kostümprobe und die Drehtage. Also hab ich am nächsten

Tag Urlaub eingereicht und zwei Drehtermine zugesagt. Nur kurze Zeit später erhielt ich die Bestätigung des ersten Drehtages und den Termin für die Kostümprobe, auch meine Rolle stand fest: ein britischer Soldat. Die Bereitschaft zum zeitgemäßen Haarschnitt wurde vorausgesetzt, dabei hab ich doch die Haare seit Monaten wachsen lassen. Aber was sein muss, muss sein. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, an einer solch aufwendigen Produktion mit einem der bekanntesten Schauspieler des Planeten, teilhaben zu können.

Die Kostümprobe fand in einem leerstehenden Autohaus bei Goslar statt und verlief recht unkompliziert, nahm aber auch fast zwei Stunden in Anspruch. Die gesamte ehemalige Verkaufshalle war mit Garderobenständern inklusive Armeeuniformen sowie Kleidung für Frauen und Kinder gefüllt. Zunächst wurden wieder Fragebögen ausgefüllt und Verträge unterschrieben. Danach ging es zum Friseur, der Blick in den Friseurraum verhieß nichts Gutes. Im Akkord wurden Haare geschnitten bzw. maschinell gekürzt, der ganze Boden war übersät mit Haaren. Da einige weitere Komparsen-Anwärter da waren, hieß es warten. Als ich dran kam fragte die junge Dame, wie viel von meinen Haaren ich opfern würde. „So wenig wie möglich“ war meine Antwort, als sie mich darauf hinwies, dass noch Gelegenheit wäre, auszusteigen, lehnte ich entschlossen ab, Augen zu und durch. Tatsächlich wurden, meine Haare um die Hälft(ca. 8 cm gekürzt), was nicht so viel ist, aber doch eine ganze Zeit dauern wird, bis das wieder nachwächst.

Nachdem Friseur ging es zum Vermessen und Einkleiden. In Reih und Glied saßen junge Männer und wurden von einem älteren freundlichen Herren (dem Dialekt nach britisch mit militärischer Vergangenheit) mit entsprechenden Kleidungsstücken versehen. Insgesamt besteht mein Outfit aus acht verschiedenen Teilen: Hose, Hosenträger, 1 Paar Stiefel, Stahlhelm, 1 Paar Wadenschützer, Pullover, Jacke und Lederweste. Alles wurde angepasst, und ich ahnte, sollte es am Drehtag warm sein, wird es ein harter Tag werden, zumal die Sachen aus Filz bestehen und sehr stark auf der Haut kratzen. Aufgrund meiner Größe, mein Alter spielt wohl auch eine Rolle, wurde ich gleich zum Korporal befördert. Dann noch ein Foto in kompletter Verkleidung, bevor alles verpackt wurde und mit meiner Komparsen-Nummer versehen wurde. Damit war die Kostümprobe beendet. Mit Vorfreude blickte ich auf den anstehenden Drehtag am 29.04.2013. Mir stellte sich nur die Frage, warum meine Haare geschnitten wurden, wo ich doch einen Helm tragen muss. Ob mir diese Frage beim Drehen beantwortet wurde, berichte ich im zweiten Teil…

(geschrieben von Bennet Dörge)

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>