Der Brocken – beliebte Irrtümer und Fehler 2013

Ihr Urlaubserlebnis im Harz:

Der Brocken – beliebte Irrtümer und Fehler 2013

Immer wieder wird in der Heimatliteratur und im Internet – entgegen allen Regeln der sorgfältigen und kritischen Arbeitsweise – abgeschrieben und übernommen, ohne dass man sich die Mühe macht, die

Originalquellen zu lesen oder richtig zu zitieren. Auf diese Weise schleppen sich Fehler und falsche, längst widerlegte Ansichten manchmal über Jahrzehnte und länger durch zahllose Veröffentlichungen. An dieser Stelle seien einmal einige „Klassiker“ dargestellt.

Erstbesteigung
Sicherlich haben die ersten Menschen schon in der Steinzeit die Brockenkuppe betreten – mit wieviel Firneis sie teilweise in den Eiszeiten auch bedeckt gewesen sein mag. Es wird immer noch verbreitet, der Nordhäuser Arzt Johannes Thal sei im Zuge seiner botanischen Untersuchungen vor 1572 der erste bekannte Gipfelstürmer gewesen. Doch schon vor ihm war der Gelehrte Tilemann Stella zu kartographischen Zwecken auf dem Gipfel und Dr. Friedrich Dennert hat in seiner umfassenden historischen Arbeit zum Brocken (Geschichte des Brockens und der Brockenreisen, Braunschweig 1954) festgestellt, dass die erste nachweislich durchgeführte Brockenbesteigung bereits um 1460 stattfand – festgehalten in der sog. Erfurt-Leidener Handschrift.

Goethe
Den heutigen Goetheweg hat Johann Wolfgang Goethe (er war damals noch nicht geadelt) nie gesehen, auch nicht den Abbegraben, der 1777 noch gar nicht gebaut war. Der Goetheweg war nicht Goethes Weg – jedenfalls ist seine präzise Route unbekannt. Der Goetheweg wurde 1891 vom Harzklub als Weg befestigt und ausgebaut – erst danach setzte sich dieser Name überhaupt durch. Gern wird auch immer noch erzählt und geschrieben, dass Goethe 1777 als erster den Brocken im Winter bestiegen hätte – auch in dieser Jahreszeit gab es bereits vor ihm Wagemutige und zudem war er ja gar nicht allein auf dem Berg, sondern wurde vom Torfhaus-Förster Johann Christoph Degen geführt.

Heinrich Heine
Angeblich schrieb Heinrich Heine 1824 nach seiner Besteigung des Brockens in das Gipfelbuch: „Viele Steine, müde Beine, Aussicht keine, Heinrich Heine.“ Dieses Zitat wurde ihm aber nur angedichtet – wer sich etwas mit Literatur auskennt, merkt sofort, dass dies nicht die Sprache des Dichters Heine ist. Sogar im renommierten Merian findet es sich und auch frühere Ministerpräsidenten waren diesem falschen Zitat durch ihre Redenschreiber ausgesetzt – beispielsweise Christian Wulff bei der Eröffnungszeremonie

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des Nationalpark-Besucherzentrums TorfHaus. Als Wulff die verzogene Miene des Nationalpark-Pressesprechers sah, der die Rede vorher nicht gesehen hatte, wurde er unsicher – aber vorgelesen war vorgelesen … Übrigens stieg Heinrich Heine vom Brocken ab nach Ilsenburg, nicht von dort auf den Berg, wie die meisten Wanderer auf dieser Route heute – auch das wird hin und wieder falsch geschrieben. Und auch er nutzte – wie Goethe – nicht exakt die Route, die heute nach ihm benannt ist.

Höhe
Die am weitesten verbreitete falsche Zahl zum Brocken ist wahrscheinlich die angebliche Höhe von 1142 m. Die korrekte Höhe von 1141 m NHN hat sich zwischenzeitlich aber durchgesetzt, wobei eine weitere Konkretisierung in Zentimetern, wie man sie hin und wieder findet, bei einem Berg, dessen Kuppe so oft vom Menschen umgestaltet wurde, kaum Sinn macht.

Name
Der Name des Berges ist nicht leicht zu erklären – das Thema wirft bis heute schwierige Fragen auf. Trotzdem ist es unverzeihlich, dass hierzu immer noch die abwegigsten Thesen kolportiert werden, obwohl die meisten schon von Dr. Friedrich Dennert widerlegt wurden. Dennert kam letztlich zu dem Schluss, dass der Name höchstwahrscheinlich vom Begriff „Bruch“ abgeleitet werden kann, d.h. „Moor“ bzw. „vermoortes Gelände“, was ja auch für einen guten Teil des Brockens zutrifft. Zwar wird auch diese Deutung kritisch hinterfragt, aber bis zur Präsentation einer überzeugenderen Herleitung kann diese wohlbegründete Annahme immer noch als Stand der Forschung gelten.

Geologie
Immer noch hört man hin und wieder, der Brocken sei ein Vulkan gewesen, obwohl dieser geologische Nonsens nicht mehr allzu weit verbreitet ist. Trotzdem hörte es der Autor dieser Zeilen noch am 18. September 2013 in den erläuternden Ansagen im Traditionszug der Brockenbahn – munter und voller Selbstbewusstsein erzählt – und fast alle Passagiere glaubten es. Richtig ist vielmehr, dass der Brocken aus granitischen Gesteinen des Brockenplutons aufgebaut ist. Das zähe, aber fließfähige granitische Magma entstand, als sich die Gebirgswurzel durch Plattentektonik tief abgesenkt hatte, teilweise schmolz, dann wieder aufstieg und vor ca. 293 Mio. Jahren in der Nähe der Oberfläche erkaltete, ohne jedoch vulkanisch auszubrechen. Diesen Vorgang nennt man Plutonismus – daher ist der Brockengranit ein plutonisches Gestein.

Temperaturen
Immer noch werden für den Brocken viel zu niedrige Durchschnittstemperaturen angegeben und wieder und wieder unkritisch abgeschrieben. Aufgrund des Klimawandels liegt die Jahresdurchschnittstemperatur der Luft im Bereich der Brockenkuppe jedoch heute nach den Daten des Deutschen Wetterdienstes schon bei über 4 °C – mit steigender Tendenz.

306 Nebeltage
Der Brocken kokettiert auch gerne mit seinen Nebeltagen. Wer häufiger im Harz und seinem Vorland unterwegs ist, wird kaum glauben, dass der Brocken durchschnittlich 306 Nebeltage im Jahr habe. Des Rätsels Lösung ist die meteorologische Definition eines Nebeltages, der dann vorliegt, wenn irgendwann zwischen 00 und 24 Uhr eines Tages in einem horizontalen Sektor von mindestens 90 Grad Winkelerstreckung die Nebeldefinition (Sichtweite kleiner als 1 Kilometer) erfüllt war. Auch wenn der Gipfel meist sichtbar ist, bleibt dem Besucher eine Fernsicht (max. 230 km) überwiegend verwehrt.

Soldatengrab
Bis heute wird von einigen Seiten angenommen, an der Brockenstraße zwischen Knochenbrecher und Kuppe befände sich das Grab des Wehrmachtssoldaten Johann Appel, der dort in der Tat in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs umkam – allerdings wurden seine sterblichen Überreste bereits 1975 auf den Waldfriedhof Blankenburg umgebettet.

Zusammenstellung der Informationen: Dr. Uwe Lagatz, Dirk Lübker, Fritz Reinboth und Dr. Friedhart Knolle

Foto: F. Steingass

2 Comments On This Topic
  1. Frank Hebestreit
    on Dez 30th at 12:51

    Ein sehr interessanter Artikel! Es war bekanntes und viel Neues dabei. Würde mich über mehr solch informative Artikel freuen!

    • Eva-Christin Ronkainen
      on Feb 3rd at 15:29

      Vielen Dank für das Feedback Herr Hebestreit. Gern versuchen wir das zu berücksichtigen.


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