„Noch einmal zurück auf Anfang. Uuund bitte!“

Ihr Urlaubserlebnis im Harz:

„Noch einmal zurück auf Anfang. Uuund bitte!“

Meine Erlebnisse bei den Dreharbeiten mit Spreadfilms auf dem Harzer-Hexen-Stieg.

Sonnenaufgang am Oderteich

Sonnenaufgang am Oderteich (Foto: HTV / A. Lehmberg)

Harz. Morgens halb sechs am Oderteich. Dichte Nebelschwaden liegen über dem Wasser. Das erste Morgenrot deutet sich an und die Natur erwacht langsam aus der Starre der Nacht. Es ist ein wahrhaftig magischer Anblick, den wir erleben dürfen. Ein Zeichen dafür, dass Mensch und Natur doch miteinander verschmelzen können. Doch wir sind zum Arbeiten hier. Unsere Mission: Ein Imagefilm über den Harzer-Hexen-Stieg.

Der etwa 100 Kilometer lange Wanderweg, der quer durch den Harz von Osterode nach Thale führt, ist einer der Top Trails of Germany. „Die Top Trails sind eine Marketingkooperation, die das Thema Wandern auf Fernwanderwegen als modernes Thema insbesondere für eine jüngere Zielgruppe bewerben möchte“, erklärt Andreas Lehmberg, stellvertretender Geschäftsführer vom Harzer Tourismusverband. Die Werbung solle hauptsächlich im Online-Bereich zu sehen sein.

Nachdem Konzept und Agentur feststanden, folgte ein deutschlandweites Casting, bei dem je zwei Hauptakteure für die Kurzfilme der einzelnen Wanderwege gesucht wurden. Und da fing meine Geschichte an. Ahnungslos nahm ich am Casting teil, das von der jungen Agentur Spreadfilms aus Traunstein im Chiemgau organisiert wurde. Ich konnte es selbst nicht glauben, aber ich hatte Glück. Ich war aus 500 Bewerbern also eines der zwei Gesichter des Harzer-Hexen-Stiegs.

Dreharbeiten am Oderteich

Dreharbeiten am Oderteich (Foto: HTV / A. Lehmberg)

Spreadfilms-Praktikantin Hannah Koberstein erklärte mir den weiteren Verlauf. Wir würden uns gemeinsam mit Kameramann Jonas Freudenberger, Andreas Lehmberg und der anderen Hauptdarstellerin einen Abend vor dem Dreh im relexa Hotel Harz-Wald in Braunlage treffen und den Plan durchgehen. Außerdem würden wir von den Outdoor-Marken Vaude und Tatonka mit Wanderkleidung und Rucksäcken ausgestattet, die einen Teil des Top Trails-Projekts mitfinanzierten. Einen Rucksack und eine Softshelljacke dürften wir sogar behalten. Der Plan war simpel: Die andere Hauptdarstellerin und ich sollten am Drehtag beste Freundinnen spielen, die gemeinsam den Harzer-Hexen-Stieg bewältigen. Es war ein komisches Gefühl nicht zu wissen, wer die andere Frau war. Doch als wir uns beim gemeinsamen Abendessen zum ersten Mal sahen, waren wir uns direkt sympathisch und freuten uns auf den nächsten Tag.

So standen wir also am Oderteich und erhielten von Kameramann Jonas erste Instruktionen. „Wandert einfach als wäre ich nicht da, lacht und unterhaltet euch“. Nichts fiel uns leichter als das. Langsam ließ sich die Sonne blicken und wir mussten weiter zur nächsten Location. Es ging direkt zum Torfhaus. Auf dem Weg zum Brocken lag der Fokus auf der einzigartigen Moorlandschaft und dem Oberharzer Wasserregal. Freundin Stefanie und ich wanderten festgelegte Abschnitte immer und immer wieder entlang, bis Jonas zufrieden und die Szene im Kasten war. „Noch einmal auf Anfang. Uuund bitte!“.

 

Wandern mit Kamerabegleitung am Goetheweg (Foto: HTV / A. Lehmberg

Wandern mit Kamerabegleitung am Goetheweg (Foto: HTV / A. Lehmberg

Inzwischen stand die Sonne höher am tiefblauen Himmel. Wir brachen auf und fuhren nach Drei Annen Hohne, wo eines meiner persönlichen Highlights bevorstand: Eine Fahrt mit der Brockenbahn. Wer träumt nicht davon? Als zugezogener Oberharzer war das schon länger ein Traum von mir. Aufgrund des straffen Drehplans fuhren wir nur bis Schierke und anschließend wieder zurück. Aber es war großartig. Stefanie und ich streckten unsere Köpfe aus dem Fenster und genossen den Fahrtwind. Das Fröhlich sein fiel uns in diesem Moment ganz leicht. Dieses wohlige Gefühl in meinem Bauch und die Zufriedenheit, die ich verspürt habe, als ich die vorbeirauschenden Wipfel der Fichten gesehen habe, werden mir immer in Erinnerung bleiben. Einige Szenen drehten wir auch in der Bahn. Stefanie und ich sollten in eine Karte gucken und Wege mit dem Finger nachzeichnen. Jonas hatte alles im Griff, filmte wieder von allen Seiten und vernachlässigte auch die Nahaufnahmen nicht. Es war ein tolles Gefühl so im Mittelpunkt zu stehen. Trotzdem mussten wir uns auch den missbilligenden Blicken einiger Leute stellen oder geduldig interessierte Fragen beantworten. Ich möchte nicht sagen, dass wir uns wie Stars fühlten, aber wir kamen uns schon sehr wichtig vor.

Weiter ging es ins schöne Bodetal. In der tiefen Schlucht kam ich mir regelrecht winzig vor. Wie zu erwarten, waren viele Touristen und Wanderer unterwegs, sodass wir uns mit den Aufnahmen beeilen mussten. Schon längst waren Stefanie und ich ein eingespieltes Team. Wir achteten gar nicht mehr auf die Kamera und auch Jonas gab fast gar keine Anweisungen. „Wir haben es wirklich noch nie erlebt, dass sich die Hauptdarsteller so gut verstehen, dass sie sich auch nach der Aufnahme noch weiter unterhalten“, lacht er.

 

Auf dem Brocken angekommen (Foto: HTV / A. Lehmberg)

Auf dem Brocken angekommen (Foto: HTV / A. Lehmberg)

Nach einem Abstecher zur Rosstrappe fuhren wir wieder zurück in die heimatlichen Gefilde und bereiteten uns am Goetheweg in Richtung Brocken auf eine Picknick-Szene vor. Stefanie und ich mussten vorab so einiges Essbare in unseren Rucksäcken verstauen und auf Jonas‘ Kommando herausziehen. Den richtigen Winkel zu treffen war gar nicht so einfach. Letztendlich musste ich rund zehn Mal in ein frisches Käsebrot beißen. Die angebissenen Käsebrote sammelten wir hinter unseren Rücken, gut versteckt vor der Kamera. Das junge Filmteam lachte herzhaft mit. Die Anstrengung des Tages fiel langsam ab. Es war mittlerweile 19 Uhr und fast alle geplanten Szenen waren gefilmt. Zum Schluss genossen wir den Sonnenuntergang auf dem Brocken und machten Bekanntschaft mit dem zahmen Brocken-Fuchs, der rund drei Meter von uns entfernt an meinem Rucksack schnüffelte. Die Sonne verschwand hinter eindrucksvollen Wolkenformationen. Friedliche Stille senkte sich über den höchsten Berg Norddeutschlands. Ich fühlte mich so leicht und frei. Es war ein unbeschreibliches Erlebnis, Teil des Films zu sein und vier wunderbare Menschen kennengelernt zu haben.

Spreadfilms schneidet, vertont und optimiert derzeit die gedrehten Top Trails- Filme. „Voraussichtlich nächstes Jahr werden die Filme dann veröffentlicht“, sagt Hannah Koberstein.

Beitrag von Madeline Pagenkemper
Madeline ist 25 Jahre alt und arbeitet als freie Texterin bei der Goslarschen Zeitung und beim HarzKurier. Ihren Wohnort Clausthal-Zellerfeld nutzt sie gerne als Ausgangspunkt für Wanderungen oder lange Ausritte mit ihrem Pferd. Die Wahl-Oberharzerin ist neben ihrer Arbeit auch als Fotografin für Tiere und Natur aktiv.

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