Jugendwaldheim Brunnenbachsmühle ist Kooperationspartner des Projekts „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“

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Jugendwaldheim Brunnenbachsmühle ist Kooperationspartner des Projekts „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist ein Projekt des Vereins Aktion Courage e.V. Er wurde 1992 von Bürgerinitiativen, Menschenrechtsgruppen, Vereinen und Einzelpersonen als eine Antwort auf den gewalttätigen Rassismus, der sich in Mölln, Solingen, Hoyerswerda und Rostock Bahn brach, gegründet. Aktion Courage e.V. ist seit dem 13. März 2001 bundesweit anerkannter Träger der freien Jugendhilfe gemäß § 75 KJHG.

Schule ohne Rassismus

Schule ohne Rassismus

Eine Schule bekommt den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, wenn mindestens 70 Prozent aller Menschen an einer Schule die „Selbstverpflichtung“ mit folgendem Inhalt unterschrieben haben:

1.    Ich werde mich dafür einsetzen, dass es zu einer zentralen Aufgabe der Schule wird, nachhaltige und langfristige Projekte, Aktivitäten und Initiativen zu entwickeln, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden.
2.    Wenn an meiner Schule Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden, wende ich mich dagegen und setze mich dafür ein, dass wir in einer offenen Auseinandersetzung mit diesem Problem gemeinsam Wege finden, uns zukünftig zu achten.
3.    Ich setze mich dafür ein, dass an meiner Schule ein Mal pro Jahr ein Projekt zum Thema Diskriminierungen durchgeführt wird, um langfristig gegen jegliche Form von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, vorzugehen.

Warum wurden wir Kooperationspartner?

Es begann mit einem Aufenthalt einer Klasse des Landschulheims Grovesmühle in Veckenstedt bei Wernigerode im Sommer 2013 im Jugendwaldheim. Diese Privat- und Internatsschule (www.grovesmuehle.com) ist seit 2011 als Projektschule anerkannt. Die begleitenden Lehrkräfte empfanden unser Angebot als zum Projekt passend und regten die Antragstellung als Kooperationspartner an.

Eine Lerngruppe zum Thema Klimaschutz, (Foto: Nationalpark-Jugendwaldheim Brunnenbachsmühle)

Eine Lerngruppe zum Thema Klimaschutz, (Foto: Nationalpark-Jugendwaldheim Brunnenbachsmühle)

In der Betriebsanweisung für das Jugendwaldheim findet sich der Hinweis, dass ein Teil des Auftrags darin besteht, „Denkanstöße für einen nachhaltigen Lebensstil“ zu geben. Dazu gehört natürlich unverzichtbar die soziale Komponente. Solange sich Menschen gegenseitig nicht mit Respekt und Toleranz begegnen, sondern sich im schlimmsten Fall sogar töten, werden sie nur wenig Veranlassung haben, auf andere Lebensformen und ihre Umwelt mehr Rücksicht zu nehmen als auf die eigene Spezies. Aus diesem Grund werden Themenfelder des  „Umgangs miteinander“ und auch der friedlichen Konfliktbewältigung in unserem Jugendwaldheim-Alltag sehr stark betont. Das ist sehr praxisnah möglich, weil der Jugendwaldeinsatz als Betriebspraktikum viel reelles Konfliktpotential bietet. Das reicht z.B. vom Umgang mit Arbeitsunlust, mit Mobbing innerhalb der Gruppe bis hin zum Gefühl ungerechter Praktikumsbewertung durch das Personal des Hauses. Und in den allermeisten Fällen können diese Konflikte auch zielgerichtet und konstruktiv gelöst werden. Das liegt nicht zuletzt auch an unserem sehr transparenten Sonnentaler-System. Sofern möglich führen wir auch „Inklusionseinsätze“ durch, also die Zusammenarbeit von „gesunden“ Menschen und solchen mit geistiger oder/und körperlicher Einschränkung. Die Möglichkeit besteht durch die Kooperation mit der Lebenshilfe Northeim.

Eine Klasse im praktischen Waldeinsatz (Foto: Nationalpark-Jugendwaldheim Brunnenbachsmühle)

Eine Klasse im praktischen Waldeinsatz (Foto: Nationalpark-Jugendwaldheim Brunnenbachsmühle)

Aufgrund unserer Örtlichkeit sowie eines besonderes Arbeitsauftrags bietet es sich auch regelmäßig an, eine Zeit zu beleuchten, in der „Respekt“ und „Toleranz“ überhaupt keine Rolle spielten – die NS-Zeit. Einer der Harzer Todesmärsche führte im April 1945 direkt vor dem Haus, einem ehemaligen Bahnhof der Südharzeisenbahn, entlang. Schon am Tag der Anreise einer Schulklasse endet das Anreiseprogramm, indem wir uns auf dem Platz vor dem Haus versammeln und die Flagge auf Halbmast setzen. Wir gedenken dann der fast 1000 Menschen, die auf den Gleisen vorübergetrieben wurden und von denen nur 20 den Marsch am Ende überlebten. Auch mit Blick auf den Umgang mit unseren Lebensgrundlagen ziehe ich Querverbindungen zu den immer noch aktuellen Verhaltensweisen des Nichts Sehens, Nichts Hörens und Nichts Sagens – damals wie heute eine Kernproblematik.

Einen zeitlich größeren Anteil nimmt die Pflege des Ehrenfriedhofs Oderbrück in Kooperation mit der Deutschen Kriegsgräberfürsorge ein. Es dauert in der Regel einen ganzen Vormittag, den Friedhof mitten im Nationalpark Harz zu pflegen. Es bietet sich in diesem Rahmen genug Zeit, mittels eines kleinen Workshops vor Ort Rolle und Verantwortung des Menschen zu beleuchten. Auf einer geraden Strecke von 100 m – dem Weg vom Parkplatz zum Friedhof – wird an ausgewählte Stationen der Evolution bis zum Menschen besprochen. Dabei zeigt sich, dass die Art „Mensch“ auf dieser Strecke überhaupt erst nach 99,99 Metern in Erscheinung tritt. Und in dieser kurzen Spanne haben wir eine (leider nicht nur im guten) unglaubliche Entwicklung durchlaufen. Und manches schreckliche Fehlergebnis menschlichen Verhaltens läßt sich aus der biologischen Entwicklung des Verhaltens nicht nur des Menschen ganz sicher nicht entschuldigen, wohl aber nachvollziehen. Wir müssen erkennen, dass z.B. Aggression uns als Überlebensinstinkt innewohnt, wir jedoch keinesfalls blinde wehrlose „Opfer“ unserer Triebe sind. Oder auch, dass der (Binde-)Trieb, sich als Gruppe zusammenzuschließen, in der Evolution große Vorteile wie Nahrungssuche, Revierverteidigung u.a. hatte, jedoch es in einer globalisierten Welt gefährlich werden kann, zu stark zwischen „Wir“ und „Die anderen“ zu unterscheiden …

Steffen Küppers, Nationalpark-Jugendwaldheim Brunnenbachsmühle

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