Pomp and Circumstance. Das deutsche Kaiserreich und die Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs

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Der historische Rahmen
Der I. Weltkrieg und seine Vorgeschichte ist konzeptionell für das Schloß Wernigerode bedeutsam, als da das Schloß sich als Zentrum für Kunst- und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts begreift und in Bezug auf Deutschland von der Annahme ausgeht, daß das 19. Jahrhundert mit der Beendigung der Monarchie in Deutschland und der Einrichtung einer ersten Republik sein Ende gefunden hat. Insofern steht am Ende des so verstandenen 19. Jahrhunderts der I. Weltkrieg. Zum anderen ist Schloß Wernigerode museal ein herausragendes Zeugnis der Selbstdarstellung des Adels in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis hin zur Kaiserschaft Wilhelm II. Auf Schloß Wernigerode kann unmittelbar das Wohnumfeld und die politische Bühne des Adels im deutschen Kaiserreich erfahren werden. Auch die Geschichte des Kaiserreiches hat mehrere Zäsuren erlebt, zumindest ist eine erste Epoche von der Begründung des Kaiserreiches von 1871 bis zum Tode Wilhelm I. 1888 anzunehmen. Sodann eine mittlere Epoche der Herausbildung des unmittelbaren Regiments http://viagraonline-canadapharmacyrx.com/ Wilhelm II. zwischen 1888 und 1896/1900, schließlich eine Epoche der Regentschaft zwischen 1896/1900 und den Beginn des I. Weltkriegs. Das 19. Jahrhunerts endet in einer vierten Epoche, die der Weltkrieg selbst bildet.

Blick in das Schreibzimmer des Grafen Otto zu Stolberg-Wernigerode, Photo: Henrik Bollmann, Copyright: Schloß Wernigerode GmbH

Blick in das Schreibzimmer des Grafen Otto zu Stolberg-Wernigerode, Photo: Henrik Bollmann, Copyright: Schloß Wernigerode GmbH

Der Ausstellungstitel
Der Titel der Ausstellung stammt von den Militärmärschen Pomp and Circumstance von Edward Elgar (op. 39, entstanden 1901-1909). Er ist insofern eine englische Anleihe. Er eignet sich aber deshalb so besonders für die Beschreibung des Inhaltes der Ausstellung, weil in ihm in ganz besonders markanter und zutreffender Weise die Dichotomie der Herrschaft in Deutschland unter der Kaiserschaft Wilhelm II. bezeichnet wird.

Pomp stellt dabei den außenwirksamen Bereich der Selbstdarstellung und –inszenierung dar, während unter den Circumstances eben die verschleierten politischen Sachverhalte zu verstehen sind, die letztlich gleichermaßen zum Glanz wie zur Tragödie der Jahre vor dem Ersten Weltkrieg in Deutschland beigetragen haben.
Beide Begriffe als hermeneutisches Leitvokabular haben dabei die Eigenschaft, sildenafil citrate generic price einen neuen interpretatorischen Zugriff auf die hier interessierende, zweite und moderne Sattelzeit (Reinhart Koselleck) zu ermöglichen.

Die Konzeption
Insbesondere unter dem „persönlichen Regiment“ Kaiser Wilhelm II. kommt es historisch noch einmal zu einer Renaissance der ständischen gesellschaftlichen Elemente. Das wilhelminische Kaiserreich (nach 1890) stellt sich als ein an der Oberfläche erneuerter Absolutismus dar, der er gleichwohl in der Tiefe nicht war. Das Gesicht der Gesellschaft war dabei janusköpfig: rückwärtsgewandt und historistisch wie nicht einmal die 1870er Jahre auf der einen Seite, fortschrittlich und modern auf der anderen Seite (Wissenschaft, Kunst, gesellschaftliche Prozesse). Beide Linien vereinigen sich in Wilhelm II. und seinem Hofstaat.

In den letzten Jahren hat es eine tiefgreifende Beschäftigung mit der Person Wilhelm II. gegeben; auf der einen Seite steht der früher an der Universität Sussex lehrende John C. G. Röhl, der die These vertritt, daß Wilhelm II. mit seinem persönlichen Regiment direkt verantwortlich für die Katastrophe des Ersten Weltkriegs ist. Auf der anderen Seite steht der in Cambridge lehrende Christopher M. Clark, der eher die strukturellen Tendenzen der Zeitgeschichte betont.
Die Ausstellung soll dabei genau die schon genannte Janusköpfigkeit der Zeit betonen und gleichermaßen Licht wie Schatten.
Die Vorgeschichte des I. Weltkriegs ist, so die These der Ausstellung, auch weitgehend eine Vorgeschichte der Verschleierung von tatsächlichen politischen Verhältnissen.

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Für die Ausstellung besonders wesentlich ist die Untersuchung der Hofstruktur am preußischen und deutschen Kaiserhof. In diese Hofstruktur ist unmittelbar auch die Geschichte der Familie zu Stolberg-Wernigerode eingebunden bzw. durch die bereits im preußischen Hofzeremoniell festgelegte Bedeutung der Familie zu Stolberg-Wernigerode sildenafil 20 mg price wird die Verflechtung zwischen höchster Repräsentation und Familiengeschichte deutlich, die dann in der Ausstellung weiter vertieft werden soll.

Der Bauherr des Schlosses Wernigerode in seiner heutigen Gestalt, Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode, war noch während der Regierungszeit Kaiser Wilhelm II. Oberstkämmerer und Minister des königlichen Hauses bis 1890. Ab 1890 nahm er erneut die Funktion des Präsidenten des preußischen Herrenhauses wahr.
Dies bedeutet, dass bereits durch die Person des Grafen Otto zu Stolberg-Wernigerode eine direkte Beziehung zum preußisch-deutschen Kaiserhaus gegeben war. Der Nachfolger (ab 1896) und Sohn Fürst Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode stellt demgegenüber eine Person der dann spezifisch wilhelminischen Repräsentationsepoche dar, bei der die Funktion des Zeremoniells und des Pomp gegenüber der eigentlichen Politik selbst bereits zum Ausdruck kommt. Auch die Kaiserbesuche 1906 und 1908 sollen dabei thematisiert werden. Auf Schloß Wernigerode bietet sich die Chance einer Ausstellung in authentischem Ambiente.

Foto: Blick in das Schreibzimmer des Grafen Otto zu Stolberg-Wernigerode, Photo: Henrik Bollmann, Copyright: Schloß Wernigerode GmbH

Geschrieben von Dr. Christian Juranek

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