Urwald vor der Haustür

Urwald vor der Haustür

Sie begegnet uns auf Schritt und Tritt – beim Spaziergang im Wald oder Park, als Brennholz, in Form von Löffeln oder als Stuhl. Die Rotbuche Fagus sylvatica ist unser ständiger Begleiter. Sie scheint allgegenwärtig und ist doch eine Besonderheit: Rotbuchenwälder kommen ausschließlich in Europa vor. Ein Viertel dieses sogenannten „natürlichen Gesamtareals“ entfällt dabei auf Deutschland. Zwei Drittel der Bundesrepublik wären Buchen-Land! Derzeit sind jedoch nur noch 7 % des natürlichen Areals erhalten.

Schön und vertraut - die heimischen Rotbuchenwälder (VDN/arion)

Schön und vertraut – die heimischen Rotbuchenwälder (VDN/arion)

Finden können wir sie z. B. ab dem 11. Oktober 2013 im Barockflügel des Schlosses Stolberg. Der Regionalverband Harz e. V. hat dort gemeinsam mit dem Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz eine Ausstellung zur Rotbuche und Natura 2000 eingerichtet. Die Ausstellung beantwortet u. a. die Frage, was Elefant, Rotkäppchen und ein Frauenschuh mit der Buche zu tun haben. Die Ausstellung ist kostenfrei während der Schlossöffnungszeiten von Dienstag bis Freitag 11 bis 16 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr zu besichtigen. Dann können wir hier auch die sonst so scheuen Buchenwaldbewohner hautnah erleben. Im Anschluss an einen Ausstellungsbesuch lädt die europäisch ausgezeichnete Stolberger Natur rund um das Schloss zum Wandern, Erholen und Entdecken ein. Die „Buchenwälder um Stolberg“ sind gleichzeitig FFH- und EU-Vogelschutzgebiet! Sie sind gemäß FFH-Richtlinie (Fauna/Tiere-Flora/Pflanzen-Habitat/Lebensraum) in Europa als „besonders schützenswerter Lebensraum“ zu erhalten und wenn nötig wiederherzustellen.

Oktober ist die Ausstellung „Buchen musst du suchen…! Natura 2000-Informationszentrum des Harzes“ kostenfrei zu besichtigen. (RVH/Schäfer)

Oktober ist die Ausstellung „Buchen musst du suchen…! Natura 2000-Informationszentrum des Harzes“ kostenfrei zu besichtigen. (RVH/Schäfer)

Vielfalt im Buchenwald
Doch was macht die Buchenwälder so interessant für den Naturschutz und den Erhalt der europäischen biologischen Vielfalt? Es leben rund 10.000 heimische Pflanzen-, Tier- und Pilzarten in den heimischen Buchenwäldern! Im Frühjahr bedecken Blütenteppiche aus Buschwindröschen, Hohlem Lerchensporn und Bärlauch den hellen Waldboden. Baumpilze wie Flacher Lackporling und ästiger Stachelbart bewachsen dauerhaft oder vorübergehend den Stamm der Buche. Eichenfarn, Kahlmützenmoos und Schmalblättrige Hainsimse wachsen auf dem schattigen Waldboden unter dem sommerlichen, geschlossenen Buchenblätterdach. Nagelfleck, Kopfhornschröter und Buchenbock sind nur zwei unter tausenden Insekten des Buchenwalds – viele von ihnen mit einer besonderen Vorliebe für Totholz. Schwarzstorch oder Hohltaube leben äußerst versteckt, Schwarzspecht ziemlich geräuschvoll im Buchenwald. Auch für seltene Säugetiere wie Wildkatze und zahlreiche Fledermausarten wie Bechsteinfledermaus oder Großes Mausohr ist der Buchenwald essentieller Lebensraum. Die Früchte der Rotbuche, die Buchecker, ist wichtiger Wintervorrat für Eichhörnchen, Kleiber, Gelbhalsmaus und Co.

Buchenwaldbewohner Wildkatze (VDN/Maik Elbers)

Buchenwaldbewohner Wildkatze (VDN/Maik Elbers)

Buchenwanderung
Am Samstag, dem 19. Oktober steht die Rotbuche bei einer geführten Wanderung sowie einer Ausstellungsführung im Mittelpunkt. Los geht’s ab 10:00 Uhr vom Parkplatz direkt am Schloss, Ende
der Straße „Schlossberg“. Mit wetterfester Kleidung und robustem Schuhwerk sind wir bestens auf die ca. 1-stündige Tour vorbereitet. Im Anschluss an den Buchenspaziergang kann die Ausstellung mit einer Führung oder individuell besichtigt werden.

Titelbild: „Buchenwälder um Stolberg“- europäische ausgezeichnete Natur (RVH/Schäfer)

(Geschrieben von Anne Schäfer RVH)

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